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Klaviermusik Archiv

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Alexander Skrjabin  (1872 - 1915)

Etüde op.2/1 4 Etüden(op.8) Préludes (Auswahl) Sonate Nr.4 2 Poèmes op.32 Poème tragique Poème satanique 3 Etüden(op.42) 3 Morceaux op. 45 3 Morceaux op. 52 Sonate Nr.5 2 Pièces op.59 Poème-Nocturne Sonate Nr.7 2 Poèmes op. 69 Vers la flamme 5 Préludes op.74
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Diskografie
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Etüde op.2 Nr.1 cis-Moll  (1887)
Andante
02:40   2,4 MB MP3 MIDI (14K)
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Vier Etüden aus op. 8 (1894)
 
I.
II.
XI.
XII.
Allegro
A capriccio. con forza
Andante cantabile
Patetico
01:29    1,3 MB
01:33    1,4 MB
03:34    3,2 MB
02:01    1,9 MB
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Préludes (Auswahl 1893-1913)
 
C-Dur op.11 Nr.1
D-Dur op.11 Nr.5
cis-Moll op.11 Nr.10
es-Moll op.11 Nr.14
fis-Moll op.15 Nr.2
es-Moll op.16 Nr.4
gis-Moll op.22 Nr.1
g-Moll op.27 Nr.1
es-Moll op.31 Nr.3
Fis-Dur op.33 Nr.2
C-Dur op.33 Nr.3
b-Moll op.37 Nr.1
G-Dur op.39 Nr.3
Des-Dur op.48 Nr.3
a-Moll op.51 Nr.2
Es-Dur op.56 Nr.1
op.67 Nr.1
op.67 Nr.2
Vivace  - 1893
Andante cantabile  - 1896
Andante  - 1894
Presto  - 1895
Vivo  - 1895
Lento  - 1895
Andante  - 1897
Patetico  - 1900
Presto  - 1903
Vagamente  - 1903
Con collera  - 1903
Mesto  - 1903
Languido  - 1903
Capricciosamente affannato  - 1905   
Lugubre  - 1906
Violent, très accentué  - 1906
Andante - vague, mystérieux  - 1912
Presto, - inquiet  - 1913
00:37    640 KB
01:51    1,6 MB
01:26    1,3 MB
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00:47    768 KB
01:12    1,1 MB
01:31    1,4 MB
01:41    1,5 MB
00:30    500 KB
01:16    1,1 MB
00:33    504 KB
01:54    1,7 MB
01:45    1,5 MB
00:35    604 KB
01:50    1,6 MB
00:45    796 KB
01:47    1,6 MB
00:54    984 KB
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Sonate Nr. 4 Fis-Dur op. 30  (1903)
Andante - Prestissimo volando
06:50    6,4 MB MP3 MIDI (59K)
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Deux Poèmes op. 32 (1903)
 
I.
II.   
Poème  Andante cantabile
Poème  Allegro, con eleganzia, con fiducia
02:50    2,6 MB
01:37    1,5 MB
MP3
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Einführung

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Poème tragique op.34  (1903)
Festivamente. Fastoso.
02:42    2,0 MB MP3 MIDI (36K)

Einführung

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Poème satanique op.36  (1903)
Allegro
06:12    5,7 MB MP3 MIDI (48K)

Einführung

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Drei Etüden aus op. 42 (1903)
 
I.
IV.   
V.
Presto
Andante
Affannato    
01:55    1,7 MB
02:46    2,5 MB
02:54    2,7 MB
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Trois Morceaux op. 45 (1904)
 
I.
II.
III.   
Feuillet d'album
Poème fantasque
Prélude
Andante piacevole
Presto
Andante
01:20    1,2 MB
00:29    476 KB
01:08    1,1 MB
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Trois Morceaux op. 52 (1907)
 
I.
II.
III.   
Poème
Enigme
Poème
Lento
Etrange, capricieusement
Pas vite
02:04    1,9 MB
01:10    1,1 MB
01:29    1,1 MB
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MP3
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MIDI (08K)
MIDI (04K)

Einführung

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Sonate Nr. 5 op. 53  (1907)
Allegro. Impetuoso. Con stravaganza
12:07    10,9 MB MP3 MIDI (86K)

Einführung

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Deux Pièces op. 59  (1910)
 
I.
II.   
Poème
Prélude
Allegretto
Sauvage, belliqueux
01:54      1,6 MB
01:36      1,3 MB
MP3
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MIDI (06K)
MIDI (12K)

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Poème-Nocturne op. 61  (1911 - 1912)
avec une grâce capricieuse
06:50    6,3 MB MP3 MIDI (30K)

Einführung

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Sonate Nr. 7 op. 64  (1911 - 1912)
Allegro
11:59   10,8 MB MP3 MIDI (74K)

Einführung

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Deux Poèmes op. 69  (1912 - 1913)
 
I.
II.   
Poème  Allegretto
Poème  Allegretto
02:29    2,0 MB
01:35    1,4 MB
MP3
MP3
MIDI (08K)
MIDI (08K)

Einführung

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Vers la flamme op.72  (1914)
Poème, Allegro moderato
05:03    4,4 MB MP3 MIDI (36K)

Einführung

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Cinq Préludes op. 74  (1914)
 
I.
II.
III.
IV.   
V.
Douloureux, déchirant
Très lent, contemplatif
Allegro drammatico
Lent, vague, indécis
Fier, belliqueux
01:18    1,1 MB
01:17    1,1 MB
00:41    644 KB
01:32    1,3 MB
00:47    816 KB
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MP3
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MP3
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MIDI (05K)
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Skrjabin Das Klavierwerk Skrjabins enthält neben den Sonaten und Etüden eine größere Anzahl von Einzelstücken, die als „Préludes”, „Poèmes” und andere Charakterstücke zu Klavierzyklen zusammengefasst sind. Während die Préludes überwiegend dem von Chopin überlieferten Typus einer quasi improvisatorischen Kurzform folgen, sind die Poèmes keiner vorgegebenen formalen oder kompositionstechnischen Kategorie verpflichtet. Vielmehr weist der Titel „Poème” auf den poetischen Ausdrucksgehalt und kennzeichnet damit Musik höchst unterschiedlicher Formate, die sowohl miniaturhafte als auch größere Dimensionen - als Vorstufe zu den Sonaten - umfassen.

In der frühen Schaffensperiode dominiert das Vorbild Chopins, vor allem dessen Miniaturformen der Préludes und Mazurken, doch auch der Einfluss Wagners ist bereits in den ersten veröffentlichten Kompositionen zu spüren. Ungewöhnlich ist die persönliche Färbung dieser frühen Stücke in ihrer melancholischen Harmonik und sensiblen Linienführung, ihrer Vorliebe für alterierte Akkorde, chromatische Vorhalte und Durchgänge als Ausdruck sehnsuchtsvoller Gespanntheit, die in vielen späteren Werken mit der Vortragsbezeichnung „avec langeur” charakterisiert wird. Die Miniaturform, die für viele der Poèmes und andere aphoristisch kurze Stücke kennzeichnend ist (mit poetischen Überschriften wie „Desir”, „Etrangete”, „Fragilite”, „Masque”), erweist sich dabei als Ort persönlichster und geheimer Niederschrift musikalischer Ideen, die sodann Eingang in die großen Formen der Sonaten und Symphonien finden. Schon früh bildet sich dabei ein zentrales rhythmisches Motiv heraus, bestehend aus einer Achteltriole, deren zweites Achtel punktiert ist, mit nachfolgendem Sechzehntel und langem Zielton: Skrjabins „Flugmotiv”. Als symbolische Figur, als Fanal des Aufbruchs und Aufschwungs beschreibt es Skrjabins synthetischen Kunstbegriff, der in einem mehr und mehr ritualisierten Ablauf der Musik Gestalt gewinnt und auf das Erreichen des „Mysteriums”, der Vision von der Erlösung des Menschen in einem synästhetischen Gesamtkunstwerk, hinwirken soll.

Die Aufflugdynamik der frühen Stücke ist zunächst noch „erdverbunden”, schmerzlich in der Erfahrung mühsamen Emporstrebens und Zurückfallens und wird als tragischer Konflikt erlebt, wie er z.B. in dem Poème tragique op.34 zum Ausdruck kommt: Der Hauptteil ist mit „Festivamente. Fastoso” (Feierlich, prachtvoll), der Mittelteil mit „Irato. Fiero” (Zornig, stolz) überschrieben; enthusiastischer Aufschwung einerseits und erbittertes Ringen andererseits. Dieses virtuose und glänzend instrumentierte Klavierstück mit seinem atemlos drängenden „Tempo volando”, dem Finale der 4. Klaviersonate op.30 ähnlich, entwickelt überzeugend den Gestus kämpferischen und unbeugsamen Stolzes, dem auf der anderen Seite zerbrechliche Zartheit und passiv kontemplatives Sehnen gegenüberstehen.
Die beiden Poèmes op.32 bilden in diesem Sinne ein Gegensatzpaar: Das 1. Poème ist von träumerischer Stimmung erfüllt, mit leisen, flüchtigen Aufschwüngen als Vorbereitung für den Abflug, der schwebend nach unten führt in klagende Resignation. Das 2. Poème hingegen steht im Auftrieb des Gelingens; seine überlegene Kraft (das Aufflugmotiv wird hier sehr plastisch artikuliert) und sein expansives Klangbild scheinen fast den Rahmen seiner kurzen wie unvermittelt erscheinenden musikalischen Gestalt zu sprengen.

Das Poème satanique op.36 bildet den Gegenpol zum Poème tragique, dessen leidenschaftlich-pathetischen Tonfall es gleichsam konterkariert, indem es den emotionalen Ausdruck der Musik ins Zynische wendet. Jeder Ansatz zu ernstem und lyrischem Charakter wird als falsch und heuchlerisch denunziert und von höhnischem Gelächter (riso, ironico) begleitet, das immer triumphierender wird und sich schließlich zu diabolischer Raserei steigert. Zur boshaften Komponente dieses Stückes, das Liszts Mephistowalzer nahe steht, äußert sich Skrjabin folgendermaßen:

„Mein Poème satanique ist kein wirklich böses Stück. Es ist eher eine Verherrlichung des Unaufrichtigen. Alles in ihm ist heuchlerisch und falsch... Satan ist nicht wirklich gegenwärtig, er ist nur ein kleines Teufelchen, nicht der ernsthafte Satan. Fein und nett ist er, sagen wir, wie ein Gast zu Hause.”

Trennlinie
Das erste der Trois Morceaux op.52, „Poème”, schließt sich inhaltlich dem ersten Poème aus op.32 an, nur sind die rhythmischen und harmonischen Mittel noch dichter und differenzierter: Die Harmonik hat sich weitgehend von Dur-Molltonalen Bindungen gelöst (Die Haupttonart C-Dur tritt lediglich als Schlussakkord in Erscheinung) und umkreist orgelpunktartige tonale Zentren; die rhythmisch-melodische Struktur ist entscheidend von dem Auffluggestus einer kleinen Motivzelle und ihrem träumerischen Aufschweben geprägt. Ihr folgt ein Abschnitt kreisender chromatischer Terzengänge, die den Zustand matter und sehnsüchtiger Empfindung beschreiben (avec langeur).
Die motivische Verknüpfung dieser „Mikro-Charaktere” ist äußerst subtil und in ständig wechselnde, einander überschneidende metrische Komplexe ein gebunden. So entsteht eine neue Form musikalischer Poetik in Gestalt freier Rhythmen in unregelmäßiger Metrik. Auch hier (wie im ersten Poème op.32) schließt sich nach mehrmaligen kurzen Aufschwüngen eine spielerisch tänzerische Episode an, die sanften, abwärts gleitenden Flügelschlägen gleicht. Das zweite Stück mit der Überschrift „Enigme” ist eine flüchtige, schwerelos wirkende Miniatur, deren Rätselcharakter sich in scheinbarer Ziellosigkeit, in flatterhaftem Umherschwirren mitteilt. Die Flugbewegungen tauchen zwischendurch in lichte Klangräume ein, jäh unterbrochen von einer stürmischen Sequenz, die alles wie in einem Sog von unten nach oben reißt. Diese Musik, deren letzte Takte schattenhaft vorüber huschen, schließt nicht, sie entzieht sich, entschwindet.
Die Anfangstakte des dritten Stückes op.52, „Poème languide”, wirken in ihrer Sehnsuchtsmotivik wie ein ferner Reflex des berühmten Tristanakkordes, doch Skrjabin entwickelt daraus einen Spannungsbogen, der die Musik von lähmender Schwere befreit und zu vollkommener Gelöstheit führt. Der Klangraum erweitert sich dabei bis zu einem Umfang von mehr als sechs Oktaven. (Der Aufbau dieses Poème ist - im Gegensatz zum ersten Stück - entsprechend seiner finalen Entwicklung in periodische Regelmäßigkeit von 3x4 Takten gegliedert.)

 
Der 5. Klaviersonate op. 53 stellte Skrjabin ein Motto voran, das er seiner zuvor veröffentlichten Dichtung „Le Poème de l'Extase” entnahm und das diese Sonate als ein groß angelegtes Poème offenbart:
 
„Ich rufe euch zum Leben o geheimnisvolle Kräfte! Versunken in dunklen Tiefen des Schöpfergeistes, Ihr ängstlichen Schatten des Lebens, Euch bringe ich Mut!”
 
Die Sonate ist einsätzig und besteht aus einem umfangreichen Sonatenhauptsatz, dessen formale Gliederung in Introduktion, Exposition, Durchführung, Reprise und Coda mit Hilfe eines poetischen Programms erfolgt, das die musikalischen Zusammenhänge mittels inhaltlich miteinander korrespondierender charakteristischer Abschnitte herstellt. Die wichtigsten dieser Charaktere und ihre Funktion im Ablauf des Sonatensatzes seien anhand von Vortragsbezeichnungen und Selbstzeugnissen Skrjabins wie folgt beschrieben:
Abstand „Allegro impetuoso - con stravaganza” (Ungestüm, ausschweifend) stellt das „Motiv der verborgenen, ungeheuren Kräfte” dar, das sich aus einem Trillerwirbel in der tiefsten Bassregion des Klaviers losreißt und in wilder Bewegung nach oben stürmt.
Nach einer Generalpause schließt sich „Languido - accarezzevole” (Matt, liebkosend) an, das „Frage und Erleuchtungsmotiv”, dessen charakteristische aufsteigende und zurückfallende kleine Terz den Baustein bildet für das nun folgende „Presto con allegrezza” (mit Munterkeit), das Motiv der „Erweckung zum Leben”, das zum ersten Themenkomplex, dem Hauptsatz der Sonate weiterentwickelt wird, der noch zwei weitere prägnante Motive einführt: „Imperioso” (Gebieterisch), ein heftiger, weit gespannter, nach unten gerichteter 3-Tonschritt, Symbol der zurückwerfenden Kräfte, und „Quasi trombe”, ein triumphierendes, orchestrales Durchbruchsmotiv, das zum „Meno vivo - accarezzevole”, dem Motiv des „erzählenden Schöpfergeistes” überleitet, einem langsamen, kontemplativen Abschnitt, der das 2.Thema, den Seitensatz repräsentiert. Ein kurzes „Allegro fantastico”, das „Kühnheitsmotiv”, rundet als Schlussgruppe der Exposition die Reihe der aufgestellten Motive ab. Es führt mit seinem vorwärtsdrängenden Impetus zurück zum Trillerwirbel der Introduktion. Die Wiederholung des „Languido”-Teiles (einen Ganzton höher und ohne Dämpferpedal) eröffnet sodann die Durchführung. Diese verarbeitet alle oben aufgeführten Motive, verändert ihre Gestalt und führt sie zu wechselnden Kontrastierungen. Auf dem Höhepunkt der Entwicklung wird das 2. Thema mit grandioser Gewalt gesteigert; es bricht unvermittelt im fff ab und zwingt die Reprise herbei, als Wiederholung der Exposition in der Reihenfolge der aufgestellten Motive, jedoch transponiert in die Unterquint. Auf die Reprise folgt in einem heftigen Ausbruch („Vertiginoso - con furia” taumelnd, mit Wut) die letzte und höchste Stufe der Entwicklung, in der das „Frage- und Erleuchtungsmotiv” der Einleitung zur strahlenden Apotheose umgeformt wird, in leuchtender Orchestrierung („Con luminosita”) und dreifachem Forte („Estatico”). Danach bündeln sich die Kräfte ein letztes Mal im „Kühnheitsmotiv” (Allegro fantastico), das in den nunmehr alles auslöschenden Sturm der Einleitungstakte mündet: Anfang und Ende verschmelzen miteinander, die Musik bricht dort ab, wo sie sich selbst vollendet.

Übergeordnet lassen sich in dieser Sonate drei große Formteile erkennen:

- Die Vorbereitungsphase
   (Einleitung, „Fragemotiv”- Languido)
- Die Konflikt- und Durchsetzungsphase
   (Sonatenhauptsatz)
- Die Erfüllungsphase
   (Coda, die das „Fragemotiv” zum
   „Erleuchungsmotiv” - estatico - transformiert.)

Languido und estatico bilden die beiden Entwicklungspole, die das vielfältige thematische Material umklammern und damit für eine außerordentliche Geschlossenheit der Sonate sorgen.
Trennlinie
Neben den Sonaten ist das Poème - Nocturne op.61 eine der bedeutendsten Klavierkompositionen Skrjabins. Es verbindet rhapsodische und sonatenhafte Züge zu einem nächtlichen Stimmungsbild, das vom Komponisten anhand von Vortragsanweisungen, die eine Art musikalisches Psychogramm ergeben, folgendermaßen umschrieben wird:
 
Comme une ombre mouvante (wie ein gleitender Schatten)
Comme un murmure confus (wie ein verworrenes Gemurmel)
Avec une volupte dormante (mit schläfriger Wollust)
Cristallin, perle (kristallklar, perlend)
Comme en un reve (wie im Traum)
Avec langeur, charme (mit Sehnsucht, anmutig)
Avec une sondaine langeur (mit plötzlicher Wehmut)
Limpide (klar, durchsichtig)
Avec une passion naissante (mit aufkommender Leidenschaft)
Suave, languide (lieblich, sehnsüchtig)

 
Diese Annotationen (im Notentext) beschreiben einzelne kleine Motivkomplexe, die aus dem Tonmaterial des Hauptthemas gewonnen werden und die in lockerer Reihung bindegliedartige Funktion zwischen Haupt- und Seitensatz übernehmen. Viele dieser kleinen musikalischen Bruchstücke verlieren sich in der „Stille der Nacht”, in ganztaktigen Pausen, die den Eindruck des Innehaltens, des in die Stille Hineinhörens erwecken. Das Hauptthema selbst entfaltet sich aus einer winzigen viertönigen Keimzelle zu lebhaftem Figurenspiel, das aber immer wieder durch statische Elemente in Form von Akkordschichtungen gebremst wird und sich bald in schattenhafter Bewegung erschöpft.
Abstand Das Seitenthema ist auf der gleichen Viertonreihe aufgebaut und von „aufkommender Leidenschaft” erfüllt. Ein kleiner Durchführungsteil bringt jäh abreißende Steigerungsmomente (in Gestalt des 2. Themas) und mündet in die verkürzte Reprise des Hauptteils. Der Schluss dieses Poème scheint wie entrückt und außerhalb des Wahrnehmbaren zu liegen: Die Musik hört auf zu atmen, löst sich in einer zarten Arpeggiofigur auf und zieht sich zuletzt zu einem einzigen Ton zusammen, um zu verstummen.
 
Das Poème-Nocturne leitet gewissermaßen das Spätwerk Skrjabins ein, das sich vor allem auch durch konsequente Weiterentwicklung der Harmonik auszeichnet. Schon in der 5. Sonate werden größere Abschnitte auf Dominant- statt auf Tonikabeziehungen aufgebaut; die Tonart Fis-Dur, in der das Stück notiert ist, tritt als Haupttonart fast nicht in Erscheinung. Stattdessen übernehmen dominante Klangzentren die Funktion harmonischer Bezugspunkte, die keiner Auflösung mehr bedürfen (So schließt z.B. das Poème op.69 Nr.2 auf einem reinen Dominantseptnonakkord). Auch im Poème-Nocturne baut sich die Harmonik auf Ableitungen alterierter Septakkorde auf, die in sich so stabil sind, daß sie sich unaufgelöst auf verschiedenen Stufen (z.B. im Abstand von drei Halbtonschritten) bewegen können. Auf diese Weise ergibt sich ein vielfältiges Tonmaterial, das Skrjabin horizontal auffächert und u.a. zu achttönigen Skalen (Halbton-Ganzton-Halbton und umgekehrt) systematisiert. Die Melodik, aus dem harmonischen Gerüst „destilliert”, schwebt dabei im Anziehungsbereich dieser synthetischen Klangkonstellationen, die ihre Grundposition (d.h. ihr Klangzentrum) stufenweise mit der jeweiligen musikalischen Entwicklung verändern. Daraus erklärt sich auch u.a. die oben erwähnte Materialverwandtschaft der Themen im Poème - Nocturne.
Trennlinie
Die 7. Sonate op. 64 (1911-12) entstand gleichzeitig mit der sechsten und dem Poème-Nocturne. Sie wurde von Skrjabin unter seinen Sonaten am meisten geschätzt und verdankt diesem Umstand nicht nur den heute recht irreführenden Beinamen „Weiße Messe” sondern vor allem auch viele außermusikalische Deutungsversuche, die sich auf umfangreiche Äußerungen des Komponisten beziehen, die aber den Hörer zusätzlich belasten und vom unvoreingenommenen Hören der Musik, die für sich allein bestehen kann, ablenken. Von den zahlreichen Annotationen im Text sollen daher lediglich die zitiert werden, die die Wirkung der musikalischen Charaktere unterstreichen und der dramatischen Entwicklung der Musik den Weg weisen. Die Sonate ist aus wenigen Tonfolgen aufgebaut und beginnt mit einem für Skrjabin unverwechselbaren fanalartigen, sich aufwärts schraubenden Motiv in scharf punktiertem Rhythmus, als eine Art Transformation des oben angesprochenen „Flugmotivs”. In einer turbulenten, fast brutal anmutenden Eröffnung wird dieser thematische Kerngedanke entwickelt, der sich fortan als treibende Kraft des musikalischen Geschehens erweist und der sich wie ein „Leitfaden” durch die ganze Sonate zieht. Dem zweiten Thema, das sich schnell an den ersten Hauptgedanken anschließt, fällt die Rolle des lyrischen Gegenparts zu (avec une céleste volupté - mit himmlischer Wonne). Für den Hörer ist vor allem der Dualismus dieser beiden Themencharaktere wichtig, untergeordnet bleibt die Frage, in wieweit diese Sonate dem Schema der Sonatenhauptsatzform entspricht, dessen traditionelles Grundmuster hier bereits durch die Aufhebung durmolltonaler Bezugspunkte quasi außer Kraft gesetzt wird.Abstand Geblieben sind das Schema von Dreiteiligkeit und Ansätze zu motivischer Arbeit, die hier allerdings weniger Entwicklung im sonatenhaften Sinne aufweist als vielmehr immer neue Kombinationsmöglichkeiten der bisher in Erscheinung getretenen Motive und Begleitfiguren erprobt. Übergeordnet lassen sich dennoch Formteile wie Exposition (Vorstellung der beiden Themenkomplexe), Durchführung und Reprise ausmachen. Letztere ist - wie in vielen Sonaten Skrjabins - mit dem Kulminationspunkt der Entwicklung identisch und löst eine gewaltige Kaskade von Akkordzusammenballungen (foudroyant - niederschmetternd) aus. Im Gegensatz zu dem von Skrjabin beabsichtigten Ausdruck seiner Musik (Erlösungsmystik) kann sich der Hörer allerdings ihrer oftmals extremen und nervenzerreißenden Wirkung kaum entziehen, zu sehr liegen hier Entzücken und Entsetzen beieinander. Besonders der Schluss der Sonate, der in einen Höhepunkt von dreifachem Forte mündet (avec une joie débordante - mit überschäumender Freude), ist von bestürzender Gewalt und wird nur noch vom nachfolgenden spektakulären, 25tönigen Arpeggioakkord an Intensität übertroffen.
 
Bezeichnenderweise hinterlässt diese Musik keine authentische Schlusswirkung, wohl aber den Widerhall einer vollendeten, in sich geschlossenen musikalischen Architektur, die zwar für Skrjabin den „Aggregatzustand” gleißenden Lichts, als „Dematerialisierung” im erlösenden Akt des „Mysteriums” bedeutet, die sich dem Hörer aber auch als beängstigend apokalyptische Bedrohung mitteilen kann.
Trennlinie
Das Moment des „Fliegens”, in Gestalt des „Flugmotivs” bereits in früheren Kompositionen von Bedeutung, wird in dem ersten der zwei Poèmes op. 69 - Allegretto - wiederaufgegriffen, doch die Flugfigurationen scheinen fast entmaterialisiert und jeder irdischen Schwere entrückt zu sein. Die träumerisch-wehmütige Atmosphäre dieser Musik, ihre Lichtreflexe und Farbnuancierungen verdichten sich in diesem Poème zu einem Klanggebilde von geradezu zerbrechlicher Schönheit.
Im zweiten, miniaturhaften Poème op.69 - Allegretto - zeigt sich eine andere Struktur der Aufflug-Motivik: Einer klagenden melodischen Linie, deren Auftakt ein aufwärts peitschendes Glissando markiert (das als selbständiges Formelement immer wieder in das musikalische Geschehen eingreift), wird ein zartes, tänzerisches Flugmotiv zur Seite gestellt, mit dem sich die Musik zu „rhythmischem Taumel” (danse delirante) steigert, immer wieder unterbrochen vom drängenden Impuls der Glissandofigur. Die Schlusstakte treiben fast gewaltsam in schwindelnde Höhe. (Die Konturen sind klarer, aber auch härter als in dem vorangegangenen Poème, der Klaviersatz ist auf wenige und sparsame Klangereignisse reduziert.

Vers la flamme op.72 ist Skrjabins letztes großes Poème, das seinen eigenen Worten zufolge „vom Nebel zu blendendem Licht” führen soll. Außerdem gibt eine Tagebuchnotiz aus dem Jahre 1905 Aufschluss über die programmatische Idee von „Vers la flamme”, die schon damals in Skrjabins physikalisch-philosophischen Weltbild vorgezeichnet zu sein schien:
Abstand „Weg vom Zentrum, ewig weg vom Zentrum, mit stürmischem Streben. Da - der Widerstand ist überwunden, eine Masse von Teilchen reißt sich gemeinsam mit einem Kern los. Ein neues Zentrum ist entstanden, umgeben von einer Masse gleichförmiger Teilchen, die wieder weg vom Zentrum streben. Dasselbe Streben, durch das Welten entstanden sind, brachte den Anfang organischen Lebens auf die Erde.”
 
Das Teilchen, das sich in „Vers la flamme” aus dem Zentrum losreißt, ist -musikalisch gesprochen - das Intervall der Sekunde. Aus dem Dunkel des in sich kreisenden Grundmotivs beginnt es langsam sich aufzuschwingen, gewinnt immer mehr an Raum und entwickelt sich schließlich zu einem „Flammenzeichen”, das einen Sturm orchestraler Klangdimension entfacht. Metallische Fanfarenklänge, im Wechsel mit akkordischen Tremoloketten, treten hinzu und führen zu weiter anwachsender, bis ins nahezu Unerträgliche gesteigerter Spannung, die sich erst in einem gewaltig aufgetürmten Schlussakkord löst.
 
Die Konzeption von „Vers la flamme” erweist sich als zwingend in ihrer monothematischen Struktur; die einzigen Entwicklungsmomente liegen in der Steigerung der Dynamik und der Erweiterung des Klangraumes. Ziel ist der musikalische „Aggregatzustand” gleißenden Lichts, die „Dematerialisierung” im erlösenden Akt des „Mysteriums”.
Abstand
„Ich fand schließlich das Licht in der Musik; ich fand diesen Rausch, diesen Aufflug, dieses atemlose Glück, diese strahlende Harmonie, die die Idee des Lichts abbildet.”
(A. Skrjabin)
© Thomas Lefeldt
Einführungstext zu einem Klavierabend im Historischen Kaufhaussaal in Freiburg i.Br., 1991, revidiert und erweitert 2001

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